Ein undatiertes Foto aus den ca. 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts zeigt den damaligen Wichmann-Hof im Heinkenborsteler Weg. Der Blickwinkel vom Nortorfer Kirchturm aus, macht deutlich, dass es rund um die Bauernstelle noch kaum Wohnbebauung gab. Trotz der bescheidenen Bildqualität hebt sich die große Scheune der Bauernstelle überragend ab.

Wie damals üblich, diente die Scheune gleich mehreren Verwendungszwecken: Heu- und Strohlager, Kuhstall, Schweinestall und Tenne in einem. Daher wurde das Gebäude teilweise über drei Geschosse errichtet. Nach dem 2. Weltkrieg fanden hier auch französische Kriegsgefangene Unterschlupf.

 

Nach dem Ende der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung durch die Familie Wichmann stiftete die Witwe Annemarie Wichmann, geborene Kramer, die Scheune der Stadt Nortorf, mit der Auflage, das Gebäude zu erhalten und darin u.a. kulturell/soziale Angebote vorzuhalten. Dieser Auflage kam man mit dem Angebot der „Möbelbörse“ nach. Entrümpelungen, Umzüge und Aufarbeitung von Gebrauchtmöbeln durch Langzeitarbeitslose im Rahmen eines Wiedereingliederungsprojektes bestimmten das Angebot. Ende 2012 musste die Einrichtung in der „Kramer-Scheune“ schließen, da die Bauaufsicht Mängel attestierte, die einen Betrieb als öffentliche Einrichtung erschwerten und die nur mit unverhältnismäßig hohem finanziellen Aufwand hätten beseitigt werden können (Fluchttreppen, energetische Sanierung, Brandmeldeeinrichtung u.a.). Dagegen waren die festgestellten baulichen Mängel aus heutiger Sicht überschaubar und für ein Gebäude dieses Alters im Rahmen.

 

In Abstimmung mit der Erbengemeinschaft Wichmann ging das Gebäude im Sommer 2015 wieder in private Hände über: Holger und Renate Bauer sind dem Gebäude bereits länger verbunden. Sie kauften bereits 2009 den eigentlichen Wichmann-Hof und steckten viel Herzblut in die Sanierung der Bauernstelle. Mit dem Erwerb der „Kramer-Scheune“ durch das Ehepaar ist die ehemalige Hofstelle nun wieder als ein Ganzes zu sehen. Dem Wunsch von Annemarie Wichmann, das Gebäude zu erhalten, fühlen sich die neuen Besitzer verbunden.